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Artikel vom 24. Januar 2015

Kategorien: Referat Lehre und Studium, Startseite

Staatsministerin Schorlemer pflegt eigenartiges Qualitätsverständnis

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine Freifrau von Schorlemer begründet die laut einer Veröffentlichung des statistischen Landesamtes gestiegene Quote von Hochschulabsolventinnen in der sächsischen Bevölkerung mit einer angeblichen Qualitätssteigerung der Hochschulen in Sachsen. Als Vertretung der Chemnitzer Studentinnen teilen wir die Meinung der Ministerin keineswegs. Die Steigerung der Hochschulabsolventinnenquote in der Gesellschaft ist ein bundesweit zu beobachtendes Phänomen, welches unserer Meinung nach vor allem an der grundlegenden Veränderung der Studienstruktur begründet ist. Die Qualität der sächsischen Hochschulausbildung hingegen hat seit vielen Jahren vor allem durch planlose Sparmaßnahmen der Staatsregierung kontinuierlich abgenommen. Wie aus den Berichten des statistischen Landesamtes über die Studentinnen [1] und das Personal [2] an Hochschulen im Freistaat Sachsen im Jahr 2011 bzw. 2009 zweifelsfrei entnommen werden kann, steht einer mehr als Verdoppelung der Studentinnenzahl an sächsischen Hochschulen seit 1992/93 ein Personalzuwachs von lediglich einem Viertel gegenüber. Besonders auffällig ist, dass der Großteil des absoluten Personalzuwachses lediglich auf nebenberuflich Tätige und prekär beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen entfällt. Auf diese Weise wurde die Betreuungssituation an sächsischen Hochschulen nachhaltig geschädigt. „Die im neuen Doppelhaushalt geplanten weiteren Personalkürzungen an sächsischen Hochschulen werden die ohnehin schon am Randes des Zusammenbruch stehenden Fakultäten völlig kollabieren lassen.“ kommentiert Bernd Hahn, Referent für Lehre und Studium des Studentinnenrates der TU Chemnitz das von der Staatsregierung geplante Streichkonzert im Hochschulbereich. „Die aus Personalmangel entstandene Verschiebung des Semesterstarts zu Beginn des Sommersemesters [3] war dann nur ein wager Vorgeschmack auf die zu erwartenden Zustände“ so Hahn weiter. Dass die Ministerin die kontinuierliche Prekarisierung der Hochschulbildung in Sachsen als Qualitätssteigerung versteht, zeugt unserer Meinung nach von massiven Wahrnehmungsstörungen oder parteipolitischer Verblendung. „Die Staatsregierung sollte sich lieber mit der Entwicklung nachhaltiger Haushalts- und Bildungspolitik befassen, anstatt tagtäglich statistische Daten schön zu lügen“ fordert Hahn. Für Rücksfragen steht Ihnen Bernd Hahn (0174/6185254) zur Verfügung.

Links zum Thema

  1. Berichten des statistischen Landesamtes über die Studentinnen
  2. Berichten des statistischen Landesamtes über das Personal

Dirk Leichsenring