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Artikel vom 02. April 2011

Demo in Leipzig – ein Reisebericht 13 Studierende aus Chemnitz waren dem Aufruf des StuRa am 03.02. nach Leipzig zur Demonstration für ein gebührenfreies Studium gefolgt. Für alle Daheimgebliebenen sei nun kurz zusammengefasst, was geschah: Anfahrt mit dem Zug, rund eineinhalb Stunden mit Verteilung von Infomaterial, kurzen Diskussionen und Klärung der Rückfahrt. Am Bahnhof in Leipzig wurden wir dann vom Begrüßungskomitee in Empfang genommen, bekamen die Demoroute und noch einige Flyer. Am Augustusplatz angekommen blieb noch Zeit für einen Besuch in der Cafeteria des Leipziger Studentenwerks (muss man gesehen haben, alle Ostdeutschen werden sich an HO–Gastronomie erinnert fühlen, was hier nicht abwertend wirken soll). Die Demo selbst war sehr gut organisiert, ausreichend Ordner, zwei Lautsprecherwagen und jede Menge Polizisten. Diese hatten allerdings keinerlei Grund, in irgendeiner Form einzuschreiten. Bemerkenswert war aus meiner Sicht die Abschlussrede des KSS-Sprechers Benjamin Schulz vor dem Bundesverwaltungsgericht zu Leipzig. Die offizielle Zahl von 8000 demonstrierenden Studierenden ist durchaus realistisch. Auch die Rückfahrt war sehr angenehm, so dass abschließend festgestellt werden kann, dass sich die investierte Zeit doch gelohnt hat. Vor allem wenn man die Reaktion in den Medien (Tagesschau, N24) sieht. Allerdings bleibt nun eine Frage für mich offen: Warum kommen nur 13 Leute aus Chemnitz nach Leipzig? Lag es daran, dass der Studentenrat zu spät mobilisiert hat? - Wie lange vorher muss man den Leuten sagen, dass etwas gemacht wird? Lag es an den anstehenden Prüfungen? - Haben wirklich alle 10 000 Studierenden in der ersten Prüfungswoche drei Klausuren und zwei mündliche Prüfungen? Lag es am Wetter? - Müssen 25 Grad Celsius im Schatten sein, damit es sich lohnt für ein gebührenfreies Studium einzustehen? Liegt es daran, dass keine Gefahr gesehen wird? Denken wirklich so viele, dass Studiengebühren für Sachsen kein Thema sind, oder glaubt jede/r daran, dass er/sie „bis dahin“ dann schon irgendwie fertig ist? Oder, und dass wäre dann auch aus meiner Sicht die schlimmste aller Antworten, könnten es sich so viele leisten oder glauben so viele, dass Studiengebühren gut wären und den Universitäten helfen würden? Ich weiß es nicht, wäre aber stark an Antworten interessiert. Schade wäre nur, wenn es genügend Studierende gäbe, die gerne etwas unternehmen wöllten, es aber nicht tun. Es ist also an der Zeit aufzustehen und etwas für die bisherige Form der Universität nach dem Humboldschen Prinzip mit einer freien Lehre und Forschung zu tun. Wenn man jetzt nichts tut, braucht man sich später nicht zu beschweren, wenn deutsche Universitäten zu amerikanischen mutieren – wenn es dann nur noch teure gute und schlechte billige gibt. – Wem allerdings dieses Modell gefällt – wer also will, dass man für „gutes Geld“ viel Wissen und für kein Geld kein Wissen bekommt, dem sei angeraten in Ruhe zu verharren und abzuwarten, denn es deutet vieles darauf hin, dass wir uns auf dem besten Weg dahin befinden. Aus meiner Sicht nochmals vielen Dank denjenigen, die den Weg zum Chemnitzer Hauptbahnhof fanden und laut für ihre Überzeugungen kämpf(t)en.

Steffen Riediger

Posted in Referat Hochschulpolitik, Startseite on Apr 02, 2011