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Staatsministerin Schorlemer pflegt eigenartiges Qualitätsverständnis

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine Freifrau
von Schorlemer begründet die laut einer Veröffentlichung des statistischen
Landesamtes gestiegene Quote von Hochschulabsolventinnen in der
sächsischen Bevölkerung mit einer angeblichen Qualitätssteigerung der
Hochschulen in Sachsen.
   
Als Vertretung der Chemnitzer Studentinnen teilen wir die Meinung der
Ministerin keineswegs. Die Steigerung der Hochschulabsolventinnenquote in
der Gesellschaft ist ein bundesweit zu beobachtendes Phänomen, welches
unserer Meinung nach vor allem an der grundlegenden Veränderung der
Studienstruktur begründet ist.
   
Die Qualität der sächsischen Hochschulausbildung hingegen hat seit vielen
Jahren vor allem durch planlose Sparmaßnahmen der Staatsregierung
kontinuierlich abgenommen. Wie aus den Berichten des statistischen
Landesamtes über die Studentinnen [1] und das Personal [2] an Hochschulen im
Freistaat Sachsen im Jahr 2011 bzw. 2009 zweifelsfrei entnommen werden
kann, steht einer mehr als Verdoppelung der Studentinnenzahl an
sächsischen Hochschulen seit 1992/93 ein Personalzuwachs von lediglich
einem Viertel gegenüber.
   
Besonders auffällig ist, dass der Großteil des absoluten Personalzuwachses
lediglich auf nebenberuflich Tätige und prekär beschäftigte wissenschaftliche
Mitarbeiterinnen entfällt. Auf diese Weise wurde die Betreuungssituation an
sächsischen Hochschulen nachhaltig geschädigt.

„Die im neuen Doppelhaushalt geplanten weiteren Personalkürzungen an
sächsischen Hochschulen werden die ohnehin schon am Randes des
Zusammenbruch stehenden Fakultäten völlig kollabieren lassen.“
kommentiert Bernd Hahn, Referent für Lehre und Studium des
Studentinnenrates der TU Chemnitz das von der Staatsregierung geplante
Streichkonzert im Hochschulbereich. „Die aus Personalmangel entstandene
Verschiebung des Semesterstarts zu Beginn des Sommersemesters [3]
war dann nur ein wager Vorgeschmack auf die zu erwartenden Zustände“ so
Hahn weiter.
   
Dass die Ministerin die kontinuierliche Prekarisierung der Hochschulbildung
in Sachsen als Qualitätssteigerung versteht, zeugt unserer Meinung nach
von massiven Wahrnehmungsstörungen oder parteipolitischer Verblendung.
   
„Die Staatsregierung sollte sich lieber mit der Entwicklung nachhaltiger
Haushalts- und Bildungspolitik befassen, anstatt tagtäglich statistische
Daten schön zu lügen“ fordert Hahn.
   
Für Rücksfragen steht Ihnen Bernd Hahn (0174/6185254) zur Verfügung.

Dirk Leichsenring

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12.06.2012  Lehre & Studium

 

 
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